Handwerk in Portugal

Autorinnen

Ich, Ina Tänzer, lebe seit 1998 in Portugal/Algarve. Am Fotografieren interessiert, nahm ich an einem Kurs für Fotografie teil und habe seitdem dieses Hobby als Ausdrucksmittel für mich entdeckt. Als ich die Idee entwickelte, mich mehr mit dem Handwerk in Portugal und dessen Veränderung zu beschäftigen, war es selbstverständlich, dass ich dieses per Kamera verwirklichen wollte.

Marisa Gomes, Erzieherin, mit starkem Interesse für die kulturelle und historische Entwicklung Portugals. In ihrer beruflichen Erfahrung hat sie gesehen, wie wichtig es ist, die Herkunft, Geschichte, Traditionen und Bräuche der Region bekannt zu machen. In der Regel sind es die Älteren, die ihr Wissen teilen und es gerne an die Jüngeren weitergeben. Viele Informationen früherer Generationen über altes Handwerk sind verloren gegangen, verwendete Materialien sind fast nicht mehr vorhanden beziehungsweise ist ihre Nützlichkeit nicht mehr bekannt. Marisa war sehr an dem Projekt interessiert, denn auf diese Weise können wir die gefundenen Informationen für die Zukunft dokumentieren.

Idee zum Vorhaben

Ich habe im Laufe der Jahre beobachtet, wie sich in Portugal gerade im Mittelstand die berufliche Situation verändert hat. Anfänglich sah ich noch überall kleine Handwerksbetriebe, vom Bäcker bis zum Schuster. Mittlerweile sind sie kaum noch zu finden. Die Idee enstand, die noch verbleibenden Handwerker fotografisch festzuhalten. Das Projekt sollte natürlich auch in portugiesischer Sprache beschrieben werden. In Marisa habe ich die ideale Partnerin für dieses Vorhaben gefunden, die sowohl vom Interesse für diese Materie als auch für die portugiesische Sprache unverzichtbar ist.

Fakten und Zahlen

Wie überall in Europa sind in Portugal viele Berufe u.a. durch neue Technologien verändert oder völlig verdrängt worden. Manche gibt es nicht mehr, andere haben ihr Berufsfeld verändert. Die wenigen existierenden Schuster, die noch vor 20 Jahren Schuhe herstellten, sind nur noch mit der Reparatur beschäftigt. Restriktive Gesetzgebung hat dazu geführt, dass kleine Betriebe im Lebensmittelsektor (z.B. Bäcker) ohne große Investitionen ihre Betriebseinrichtung den neuen hygienischen Anforderungen nicht anpassen konnten.

Es ist sehr schwierig, zu dieser Veränderung in Südportugal Zahlen und Fakten zu bekommen. Back to the roots? Seit der finanziellen Krise haben wieder mehr junge Menschen ein Gewerbe in der Landwirtschaft angemeldet.

Herangehensweise

Zuerst mussten wir Menschen finden, die noch alte Berufe ausüben. Diese haben wir dann kontaktiert und fast immer positives Echo erhalten. Uns interessieren sowohl die Arbeitsweise/Herstellung von Produkten, als auch die Menschen, die dahinter stehen: warum haben sie diesen Beruf ergriffen, welche Ausbildung haben sie erhalten, wie hat die Berufsausübung ihr Leben beeinflusst?


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